Langbiografie
Friedel Buchner
Rassenpädagogik in Theorie und Praxis: Die Schulleiterin des Tübinger NSV-Seminars Friedel Buchner
- Name
- Friedel Buchner
- Geburtstag
- 17.07.1901
- Geburtsort
- Berlin
- Todestag
- 20.06.1983
- Todesort
- Tübingen
Als überzeugte Nationalsozialistin und Leiterin des NSV-Seminars für Kindergärtnerinnen und Jugendleiterinnen indoktrinierte Friedel Buchners dutzende Schülerinnen mit „Rassenpädagogik“ und „Rassenpsychologie“. Ihre Biografie bietet detaillierte Einblicke in die ideologischen Aspekte im Ausbildungsalltag von Kindergärtnerinnen und Jugendleiterinnen unter der Regie der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) und deren Vorbereitung auf „Osteinsätze“ im Rahmen der Germanisierungsverbrechen in Polen. Nach dem Krieg schwor sie der NS-Ideologie ab.
Kindheit und Jugend als Tochter eines Nobelpreisträgers
Als Tochter des Chemie-Nobelpreisträgers Eduard Buchner und Lotte Buchner, Tochter des Tübinger Mathematikprofessors Hermann von Stahl1 , wurde Friederike Ferdinande Mathilde Buchner, genannt Friedel, als ältestes von drei Geschwistern am 17. Juli 1901 in Berlin geboren und wuchs in einem gut- bis großbürgerlichen sowie akademisch geprägten Haushalt auf.2 Es kam zu häufigen und weiträumigen Wohnortswechseln, die durch die herausragende akademische Karriere des Vaters bedingt wurde, der 1907 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde und in der Folge mehrere Lehrstühle innehatte.3 So besuchte sie die Volksschule zwischen 1907 und 1911 wechselnd in Berlin und Wrocław. 1912 zog sie nach Würzburg um4 , wo sie 1918 das Abitur an der Sophienschule abschloss.5
Eduard Buchner stand politisch weit rechts mit einer deutschnationalen, kaisertreuen, militaristischen, konservativen und antiliberalen Einstellung.6 So verehrte er Otto von Bismarck, was durch eine persönliche Begegnung im Jahre 1895 begünstigt worden war.7 In seiner Korrespondenz sind eindeutige völkisch-ideologische und antisemitische Äußerungen belegt.8 Eduard Buchner trieb sein Patriotismus schließlich dazu, sich im Ersten Weltkrieg mit über 50 Jahren freiwillig für den Fronteinsatz zu melden. Während er versuchte, seine Lehrverpflichtungen als Professor mit seiner militärischen Karriere zu vereinbaren, starb er 1917 bei Focșani an den Folgen von Kampfhandlungen.9
Friedel Buchners Berufslaufbahn: Von der Kinderpflegerin zur nationalsozialistischen Schulleiterin
Friedel Buchner folgte ihrem Vater nach dessen Tod nicht mit einer akademischen Karriere als Chemikerin nach, sondern erlernte den Beruf der Kinderpflegerin in Stuttgart. Sie legte die Prüfung 1921 mit der Note „sehr gut“ ab.10 Anschließend entschied sie sich für die Ausbildung zur Jugendleiterin11 , die sie 1925 in Berlin abschloss.12 Führungsrollen strebte Friedel Buchner bereits in jungen Jahren an: Ab 1931 bildete sie selbst Kinderpflegerinnen und Schulpflegerinnen aus und verfasste Fachartikel.13 Sie zog dazu nach Hamburg, wo sie an wechselnden pädagogischen Ausbildungsinstitutionen der Stadt angestellt war – unter anderem am angesehenen Fröbelseminar – und bis 1938 lebte.14
Indessen hatte sich in Deutschland das nationalsozialistische Regime durchgesetzt, zu dem sich Buchner seit dem 1. Mai 1933 mit einem Parteieintritt in die NSDAP „aus Überzeugung“ bekannte.15 Zugleich trat sie aus der evangelischen Kirche aus, da ein konfessionelles Bekenntnis mit dem Selbstverständnis und Ambitionen einer nationalsozialistischen Erziehungsfachperson unvereinbar waren.16 Auch ihr jüngerer Bruder, der spätere Tübinger Geschichtsprofessor Rudolf Buchner, trat bereits 1931 in die Partei ein und wirkte für mehrere Jahre als Lehrer an der Adolf-Hitler-Schule in Sonthofen.17 Wie auch ihr Bruder stellte Friedel Buchner ihre Bildungsarbeit fortan in den Dienst des NS-Staats, indem sie zunächst als Lehrerin und ab 1938 auch als Schulleiterin an NSV-Seminaren tätig war.18 Zwischen 1938 und 1942 nahm sie ihre erste Stellung als Schulleiterin im Gau „Saarpfalz“– den besetzten französischen Gebieten – an. In Bad Dürkheim19 , Saarbrücken und Metz (siehe Abbildung 1) leitete sie NSV-Seminare für Kindergärtnerinnen und Jugendleiterinnen.20

Kindergärten und Kindergärtnerinnenausbildung waren im NS-Staat keine nebensächlichen Angelegenheiten. Eine möglichst frühzeitige Indoktrinierung von Kindern mit der NS-Ideologie sollte diese auf das rassistische Konstrukt der „Volksgemeinschaft“ einschwören, den als angeboren verstandenen „deutschen Charakter“ fördern und ein Bewusstsein dafür schaffen, zu einem soldatisch-kriegerischen Volk zu gehören21 , das sich seinen Lebensraum zu erkämpfen und „fremde Völker“ zu unterwerfen wisse.22 Insgesamt wurde dem Kind ein hoher gesellschaftlicher Wert beigemessen, allerdings nicht in seiner individuellen Würde, die durch Erziehungsziele wie Gehorsam, Leistungs- und Aufopferungsbereitschaft sowie bedingungslose Führertreue verletzt wurde, sondern im Sinne einer zu bewirtschaftenden nationalen Ressource.23
Über die institutionelle Kontrolle der rein weiblichen Sphäre der Vorschulbildung konkurrierten zunächst die NS-Frauenschaft, NS-Lehrerbund (NSLB) und Deutsche Arbeitsfront (DAF) miteinander, ehe sich die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) durchsetzen konnte und fortan für die Ausbildung der Kindergärtnerinnen zuständig war.24 Das NS-Kindergartenwesen stellte einen der wenigen Bereiche dar, in denen Frauen sogar auf Kreis-, Gau- und Reichsebene reelle Karrierechancen verfolgen konnten.25 Als linientreue Jugendleiterin war Friedel Buchner somit gut vorbereitet auf eine Stelle als Schulleiterin. NSV-Funktionär:innen bekämpften nach der Machtübergabe in den verschiedenen „Gauen“ das bis dahin konfessionell organisierte Ausbildungswesen – insbesondere in der „Saarpfalz“, wo auch Buchner aktiv war.26 Mit dem zunehmenden Zurückdrängen und Gleichschalten katholischer und evangelischer Einrichtungen bestand Ende der 1930er Jahre ein erheblicher Personalmangel.27 Für die Ausbildung von Kindergärtnerinnen und Jugendleiterinnen wurden schließlich reichsweit NSV-Seminare geplant, eingerichtet und unterhalten28 – so auch in Tübingen.
Friedel Buchner als Schulleiterin des NSV-Seminars für soziale und sozialpädagogische Berufe Tübingen
Den Höhepunkt ihrer Berufskarriere erreichte Buchner 1942 mit der Übernahme des Schulleitungspostens am Tübinger NSV-Seminar für soziale und sozialpädagogische Berufe. In dieser Funktion gestaltete sie den Alltag der Schülerinnen, unterrichtete diese, vernetzte das Seminar mit anderen NS-Einrichtungen und Funktionären, organisierte neben Treffen mit verwundeten Soldaten sog. Osteinsätze, nahm Prüfungen ab und besuchte als Gasthörerin rassenkundliche Lehrveranstaltungen an der Universität Tübingen.
Das frischgegründete NSV-Seminar für soziale und sozialpädagogische Berufe Tübingen wurde am 4. Mai 194229 in den Räumen des „Stuttgardiahauses“ an der Österbergstraße 14 eröffnet, das seit dem 20. März 1942 zu diesem Zweck von der NSV angemietet wurde.30 Friedel Buchner war dazu am 11. April 1942 von Metz-Montenich zugezogen und lebte und arbeite fortan in den Räumlichkeiten der Schule.31 Das Seminar war auf Initiative zentraler bildungspolitischer Akteure in Württemberg-Hohenzollern wie NSV-Gauamtsleiter Dieter Thurner und Gauleiter Wilhelm Murr sowie Tübinger Professoren wie Gerhard Pfahler und Oswald Kroh entstanden und als Vorposten des prestigereichen NSV-Instituts für Sozialpädagogik der Universität Tübingen konzipiert, das sich zu diesem Zeitpunkt in Planung befand – allerdings nie zustande kam.
Der Schulalltag im Seminar gestaltete sich für die mehr als 40 Schülerinnen, die das Seminar in den drei Jahren seines Bestehens durchliefen, durch ein abwechslungsreiches Programm, wovon ein überliefertes Album zeugt, das mit 23 handschriftlichen Berichten der Schülerinnen eindrücklich Zeugnis gibt.32 Auch zeugen die Berichte davon, wie eng Tagesablauf, Jahreskreis, Lehrinhalte und Freizeitprogramm am Seminar an die NS-Ideologie rückgebunden waren. So begann jeder Tag mit einem „Fahnengruß“, einem feierlichen Ritual im Garten des Anwesens, das aus Marschieren, Singen von nationalsozialistischem Liedgut und ideologischen Bekenntnissen bestand, wovon dieser Bericht eines Elternbesuchstages zeugt:
„Gegen 11h versammelten wir uns in der Halle u. wir Schülerinnen stellten uns auf, um gemeinsam, wie jeden Morgen, zur Fahne zu marschieren. Fräulein Buchner hatte die Gäste auf die Terasse [sic!] geleitet, wo sie den feierlichen Auftakt des Tages miterlebten. Der Fahnenspruch war ein Wort von Arndt: „Ihrer aber gilt noch mit Recht die Klage, daß wir nicht politisch genug sind! Damit wir dies immer mehr werden, dafür muß jeder ehrliche deutsche denken u. sterben u. auf seine Weise den Kampf mit durchkämpfen helfen, der nicht allein auf den Schlachtfeldern entschieden werden kann.“ Nach der Flaggenhissung sangen wir das Lied33 : „alle stehen wir verbunden…“.“34
Schon die Zulassung zur zweijährigen Kindergärtnerinnenausbildung an einem NSV-Seminar erforderte neben dem formalen Bildungsabschluss der Mittleren Reife vor allem eine „rein arische Abstammung“ sowie ein deutliches politisches Bekenntnis zum NS. So mussten Anwärterinnen möglichst eine Führungsfunktion im Bund Deutscher Mädel (BDM) nachweisen.35 Der Zugang zu diesen Bildungseinrichtungen war exklusiv und nur besonders linientreue junge Frauen ab 16 ½ Jahren erhielten diese prestigeträchtige Ausbildungschance.36 Dies galt auch für den zweiten Lehrgang der Jugendleiterin, der am Tübinger NSV-Seminar angeboten wurde.37
Die Inhalte, die Friedel Buchner unterrichtete und prüfte, entsprachen den staatlich vorgeschriebenen Schulfächern38 für angehende Kindergärtnerinnen und Jugendleiterinnen.39 Dabei durchdrang das übergeordnete Lernziel „nationalpolitische Erziehung“ alle anderen Inhalte40 und diente mit der systematischen Indoktrinierung der Schülerinnen mit dem Vermitteln einer „deutschen Lebensweise“, was sie auf die „Volksgemeinschaft“ einschwören und in ihrem Geist vor allem die bis dahin dominanten christlichen Leitbilder im Erziehungs- und Fürsorgewesen verdrängen sollte.41
Die „nationalpolitische Bildung“ vermittelte völkische Mythen über das „Wesen“ der Deutschen, die einerseits von historisch kaum belegbaren, romantizistischen Erzählungen über die antiken German:innen hergeleitet wurden.42 Zentrale Indoktrinationsmythen bildeten ein angeblich kriegerischer Kollektivcharakter, bäuerliche Kultur und vermeintlich angeborener Anspruch auf das „Ostland“, wodurch die jungen Fachkräfte auf Germanisierungseinsätze u.a. in Polen vorbereitet werden sollten.43 Ergänzend dazu vermittelten Schulfächer wie Naturkunde und Biologie die menschenfeindliche Gesundheits-, Erb- und Rassenlehre, die die ideologische Grundlage für Vernichtungskrieg, Medizinalverbrechen und Genozide bildete.44
Zumal Rassenpädagogik und -psychologie den Kern der Ausbildung am NSV-Seminar darstellten, war Friedel Buchner eine geeignete Lehrerin, da sie sich beruflich wie privat für diese Themen begeisterte. Im Januar 1940 erhielt Buchner beispielsweise einen Brief45 von ihrer Ziehtochter Maria Münch46 , die zu diesem Zeitpunkt in einem Pfarrhaushalt eine Hauswirtschaftslehre absolvierte. In den Brief empörte Maria sich über einen Religionslehrer an der Berufsschule, der die neopagane Weltanschauung und Aneignung des Weihnachtsfestes durch die NS-Propaganda kritisiert hatte.47 Wütend wandte sie sich mit diesem Brief an die gleichgesinnte Friedel Buchner, der die Interpretation nahelegt, dass die beiden Frauen sich regelmäßig über rassenbiologische und -psychologische Themen ausgetauscht haben und dass Buchner eine intellektuelle Autorität auf diesem Gebiet für ihre Ziehtochter darstellte:
„Biologie ist jetzt prima. Wir haben jetzt Rassenkunde. Die Biologielehrerin, Frl. De Haas, ist die netteste Lehrerin von der Schule. […] Die Lehrerin ließt aus dem Buch Die nordische Seele von Klauß vor. Es ist das, in dem so viele schöne Bilder sind. Ich sprach gestern Abend mit Tante Ilse darüber. Es war eigentlich das erste Mal, daß wir über etwas höhere Dinge gesprochen haben. […] Sie ist natürlich ganz anders als Du; ich mag viel lieber, wenn wir beide darüber „quaggeln“. Aber trotzdem. Heute las die Biologielehrerin in dem Buch von Klauß48 auch vor, daß der nordische Mensch sich nicht von seiner Meinung abbringen lässt und daß er darauf besteht, es ist ihm gleich, was nun der oder jener davon behauptet hat. Ich finde, genau wie mit mir.“49
Darüber hinaus bestanden am Seminar enge fachliche Beziehungen zu den Tübinger NS-Erziehungswissenschaftlern Gerhard Pfahler, Oswald Kroh und Albert Dietrich – wichtigen Exponenten der NS-Rassenpädagogik und -Psychologie. Auch wenn die Ausbildung am NSV-Seminar als nicht-akademische Berufsausbildung konzipiert war, bemühte sich Buchner darum, sich selbst sowie Mitarbeiterinnen und Schülerinnen als Gasthörerinnen an der Tübinger Universität einzuschreiben.50 So besuchten sie neben ideologisch gefärbten Vorlesungen zu den Grundlagen der Psychologie bei Prof. Rudolf Schaal51 und Gerhard Pfahler52 bevorzugt Lehrveranstaltungen des völkischen Indologen und Religionswissenschaftlers Jakob Wilhelm Hauer und seiner „weltanschaulichen Lehrgemeinschaft“.
Mit dem Besuch von Hauers Lehreinheiten wie „Notwendigkeit, Schicksal und Tragik in der germanisch-deutschen Weltanschauung“53 , „Volk und Volkwerdung“54 oder „Der Schicksalsglaube der Indogermanen“55 implementierten sie den durch das württembergische Kultministerium geförderten Weltanschauungsunterricht56 in die Vorschulpädagogik. Das vom Weltanschauungsunterricht geförderte ideologische Konstrukt der Indogermanen und Hauers Behauptung, „die Deutschen“ seien qua genetischer Anlagen ein paganes und kein christliches „Volk“57 , wurden am Tübinger NSV-Seminar in die Veranstaltungen rund um den Jahreskreis integriert. Dazu zählte etwa die Aneignung und Umdeutung christlicher Festtage wie Adventssonntagen zu „Lichtersonntagen“58 und der Heilige Abend zu einer neopaganen „Julklappfeier“, der mit Insignien der NS-Ästhetik und neu erfundenen Bräuchen überlagert wurde.59
Die NS-Ideologie wurde den Schülerinnen zudem in Form von martialischer Kriegspropaganda nähergebracht, indem sie am Seminar an regelmäßig stattfindenden „Verwundetensonntagen“ Besuch von verwundeten Frontsoldaten erhielten (siehe Abbildung 2) und diese mit einem Unterhaltungsprogramm begrüßten. Die Mädchen zeigten sich ehrfürchtig und ergriffen von den Erzählungen der Soldaten, stimmten in die kriegsverherrlichende Propaganda ein.60 Zudem besuchten sie Soldaten auch in Lazaretten.61

Rund um den Jahreskreis sorgte Friedel Buchner mit einem unterhaltsamen Besuchs- und Festprogramm für eine enge Bindung der Schülerinnen, in dem diese viel Anerkennung für ihre Qualitäten als Gastgeberinnen erhielten, wenn sie das Haus festlich schmückten und mit Gesangs-, Comedy- und Theaterdarbietungen glänzen konnten.62 Regelmäßige, festlich inszenierte „Kameradschaftssonntage“ mit verwundeten Frontsoldaten63 , NS-Studentengruppen64 oder anderen NSV-Seminaren65 standen unter dem Vorzeichen der NS-Ideologie und selbst Märcheninszenierungen der Gebrüder Grimm66 , Kasperletheater67 oder Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten in der Region68 zeugen von der Aneignung dieser Sujets durch die NS-Propaganda.
Zudem zeugen die Rahmenveranstaltungen von einer engen Vernetzung mit NS-Funktionären. So waren bei der Weihnachtsfeier des NSV-Seminars am 15. Dezember 1943 NSV-Gauamtsleiter Dietrich Thurner und andere hochrangige lokale Vertreter von NSV und Partei anwesend.69 Bei dieser Gelegenheiten las Buchner aus Bruno Brems rassenpsychologischem Buch „Die Seele des deutschen Menschen“ vor, die Schülerinnen trugen ihre „BDM Tracht“70 und man sang zum Fahnengruß NS-Propagandalieder, bevorzugt aus der Feder des einschlägigen NS-Liedertexters Hans Baumann.71
Einen Schwerpunkt der überlieferten Berichte aus dem Seminar bildete die „Warthelandfeier“, ein Festakt, der am 10. Oktober 1943 begangen wurde, nachdem einige Schülerinnen von einem „Osteinsatz“ im Sommer zurückgekehrt waren. Auch hier sind Aufzeichnungen72 mehrerer Personen überliefert, in die mit der vielsagenden Formulierung „[d]ie Feier führte die Kameradinnen, Eltern und Gäste in das weite, deutsche Land im Osten und berichtete von den Aufgaben, die unsers dort erwarten“ eingeführt wird.73
Bei der „Germanisierung“ Polens und seiner Bevölkerung im Rahmen des „Generalplan Ost“ spielten NSV-Kindergärtnerinnen und Jugendleiterinnen eine wichtige Rolle.74 Nach dem militärischen Überfall auf Polen 1939 wurde der „Reichsgau Wartheland“ zum Schauplatz der brutalen NS-Bevölkerungspolitik, demnach „Lebensraum“ für die „Volksgemeinschaft“ gewonnen werden sollte. Ziel war es, eine „rassisch“, sprachlich und kulturell homogene Bevölkerung in den besetzten Gebieten zu schaffen.75 Zu diesem Zweck wurden Pol:innen (sofern sie und ihre Kinder76 nicht zwangsassimiliert werden konnten) und Jüd:innen nach und nach aus ihren Häusern und dem Gebiet vertrieben und durch umgesiedelte „Volksdeutsche“ aus weit entfernten Provinzen wie Bessarabien, Wolhynien oder dem Baltikum ersetzt.77
Absolventinnen sozialer Berufsausbildungen aus dem „Altreich“ wirkten auf sog. Osteinsätze als Ansiedlungsbetreuerinnen, indem sie die im Rahmen der geforderten „Volkstumsarbeit“ die die Trennung von deutschen und polnischen Kindern, Aneignung der deutsche Sprache und Vorstellungen von Ernährung und Hygiene sowie die politische Zuverlässigkeit der angesiedelten Familien überwachten.78 Die Berichte der Tübinger Schülerinnen geben typische rassistische polenfeindliche Mythen wieder, wenn sie etwa immer wieder betonen, dass das Land „schon immer“ deutsch gewesen und es richtig gewesen sei, es von den Pol:innen zu „befreien“, die dort nie einheimisch, sondern „Eindringlinge“ gewesen seien.79
Auflösung des Seminars bei Kriegsende und Ehemaligentreffen
Ende April 1945 wurde das Seminar von Friedel Buchner und den sieben verbleibenden Schülerinnen, deren Eltern zu weit entfernt wohnten, geräumt.80 Das Haus wurde allerdings nicht fluchtartig, sondern ordentlich aufgeräumt verlassen. Maria Münch, Buchners Ziehtochter und Schülerin am Seminar, verblieb genügend Zeit, einen Rucksack zu schneidern und noch einmal wehmütig durchs Haus zu schlendern und Abschied nehmen von der schönen Zeit, die sie dort verbracht hatte.81 Selbst die Minute des Abschieds wurde noch mit einen gemeinsamen Propaganda-Lied inszeniert.82 Ihr war klar, dass sie bei der Besetzung durch die französischen Truppen für die Teilhabe an der NS-Herrschaft zur Rechenschaft gezogen werden würden:
„Das blanke Messingschild am Eingang verriet die Gesinnung der Bewohner: „NSV-Seminar für soziale und sozialpädagogische Berufe“. Sie würden erkennen, dass dies eine Schule der NS-Volkswohlfahrt war und es gab für sie keinen Grund, uns zu verschonen. Wir mußten fort, mußten das Haus und die Stadt verlassen.“83
Die Evakuierung Buchners und der verbliebenen Schülerinnen auf die Schwäbische Alb erfolgte unter dem Befehl von Gerhard Pfahler. Buchner selbst betätigte sich als Mitglied einer Kochgruppe für den Volkssturm half in einem Hilfslazarett in Gammertingen aus.84 Dort wurde sie von den französischen Behörden verhaftet. Vermutlich war sie von Bäuer:innen denunziert worden, deren Gänse sie für den Volkssturm requiriert hatte.85 Anschließend wurde Buchner vom 8. Mai 1945 bis zum 15. November 1945 im Camp du Nonnenhof bei Sigmaringen interniert.86 Dort lernte sie ihre spätere Lebensgefährtin Emilie (genannt Minni) Kleindienst (1909–1981) kennen, die als Ärztin und NS-Funktionärin ebenfalls interniert war.87
In der Folge lebte das Paar jeweils mehrere Jahre in Tübingen und anschließend in Stuttgart, wo sich Buchner als Haushaltshilfe ihrer Partnerin ausgab, da eine Liebesbeziehung den damaligen gesellschaftlichen Konventionen widersprochen hätte.88 Weitere berufliche Tätigkeiten im Erziehungs- und Bildungsbereich Buchners sind nicht mehr belegt. In der Folge bereute sie Ihren Aktivismus für die NS-Ideologie und nahm eine freiheitlich-demokratische Grundhaltung ein.89 Friedel Buchner verstarb am 20. Juni 1983 in der Tübinger Universitätsklinik.90
Buchners primäre Verantwortung im NS liegt darin, dass sie als Schulleiterin des NSV-Kindergartenseminars Österberg Kinder und angehende Kindergärtnerinnen mit rassistischem, menschenverachtendem und kriegsverherrlichendem Gedankengut des NS indoktriniert hat. In ihrem Spruchkammerverfahren wurde sie als unbelastet eingestuft und nicht mit Sühnemaßnahmen belangt.91

Es mag bizarr anmuten angesichts der menschenfeindlichen und kriegsverherrlichenden Weltanschauung: Insgesamt schuf Friedel Buchner wohl eine angenehme Atmosphäre am NSV-Seminar und die Berichte der Schülerinnen deuten auf eine große Beliebtheit ihrer Person hin. Die Schülerinnen erfuhren am Seminar Sinn, Kameradschaft und Zusammenhalt92 , was die Bindung an den Nationalsozialismus für viele Menschen, die von dieser Ideologie nicht verfolgt wurden, begründete. Dies hielt auch in den Nachkriegsjahren noch an, denn es bildete sich ein Netzwerk ehemaliger Schülerinnen Buchners heraus, die sich bis ins Jahr 2009 regelmäßig in Tübingen trafen.93 Von einer politischen Wiederbetätigung ist allerdings nicht auszugehen; in der Dokumentation dieser Treffen bestand kein Bezug zur NSV und die Protagonistinnen wählten die neutrale Selbstbezeichnung „die Ehemaligen vom Österberg“.94
Die Autorin dankt Helmuth Sturmhoebel, dem Sohn von Buchners Ziehtochter Maria Münch, für die Auskünfte und Unterstützung bei der Umsetzung der vorliegenden Recherchen.
Einzelnachweise
- Ukrow 2004, S. 110. ↩
- Ebd., S. 169f. ↩
- Ebd., S. 203 ff. ↩
- Staatsarchiv Sigmaringen (StAS): Wü 13 T 2 Nr. 2118/098, Spruchkammerakten Friedel Buchner: Fragebogen Friedel Buchner vom 10.02.1951, S. 1. ↩
- Stadt Würzburg o.J. ↩
- Ukrow 2004, S. 99. ↩
- Ebd., S. 241f. ↩
- Ebd., S. 104f. ↩
- Ebd. 231 ff. ↩
- StAS: Wü 13 T 2 Nr. 2118/098, Spruchkammerakten Friedel Buchner: Fragebogen Friedel Buchner vom 10.02.1951, S. 1. ↩
- Der Beruf der Jugendleiterin gilt in der Geschichte der Sozial- und Erziehungsberufe als Vorstufe zum heutigen Berufsbild der Sozialpädagog:innen. Das Berufsbild war schon zur Zeit des Kaiserreichs so konzipiert, dass erfahrene Kindergärtnerinnen sich im sozialfürsorgerischen Bereich weiterqualifizieren konnten, sofern sie sich für Führungspositionen wie etwa die Leitung eines Heimes, Hortes oder eines Kindergartens eigneten. Vgl. Amthor 2015. ↩
- StAS: Wü 13 T 2 Nr. 2118/098, Spruchkammerakten Friedel Buchner: Fragebogen Friedel Buchner vom 10.02.1951, S. 1. ↩
- Buchner 1935. ↩
- Ebd., S. 2. ↩
- Ebd., S. 4. ↩
- Berger 2019, S. 138. ↩
- Hauptstaatsarchiv Stuttgart (HSTAS): EA 3/150 Bü 276, Dossier Rudolf Buchner. ↩
- StAS: Wü 13 T 2 Nr. 2118/098, Spruchkammerakten Friedel Buchner: Fragebogen Friedel Buchner vom 10.02.1951, S. 2. ↩
- Bei Kriegsbeginn wurde Saarbrücken evakuiert und das NSV-Seminar kurzzeitig behelfsmäßig in Bad Dürkheim eingerichtet. Die Verhältnisse dort waren sehr beengt. Vgl. Privatarchiv Helmuth Sturmhoebel Hamburg: Brief Maria Sturmhoebel an Elisabeth Engel vom 05.06.2005, S. 7. ↩
- StAS: Wü 13 T 2 Nr. 2118/098, Spruchkammerakten Friedel Buchner: Fragebogen Friedel Buchner vom 10.02.1951, S. 2. ↩
- Berger 2019, S. 81. ↩
- Konrad 2004, S. 156. ↩
- Berger 2015, S. 53. ↩
- Schreiber 2009, S. 38 ff.; Berger 2019, S. 26. ↩
- Harvey 2009, S. 320. ↩
- Schreiber 2009, S. 62 ff. Vgl. Privatarchiv Helmuth Sturmhoebel Hamburg: Undatierte Rechercheaufzeichnungen Helmuth Sturmhoebel „Friedel Buchner (17.07.1901 –20.06.1983)“. ↩
- Vgl. Konrad 2004, S. 165. Gleichschaltung und Verbote konfessioneller Kindergärten erfolgten in verschiedenen Regionen mit unterschiedlichem Erfolg und konnten im Gegensatz zu anderen Bereichen des Sozialwesens und der Wohlfahrtspflege nie ganz durchgesetzt werden. Vgl. Berger 2016, S. 104 ff.; Berger 2019, S. 24 ff. ↩
- Ebd., S. 138. ↩
- Stadtarchiv Tübingen (SAT): E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Bericht Maria Münch „Wir helfen beim Aufbau unserer Schule“ vom 27.10.1942. S. 11. ↩
- SAT: A150/1221, Stuttgardia-Haus; Österbergstraße 14: Stadtpflege Tübingen: Aufstellung über den Ertrag und Aufwendungen von Gebäude Österbergstraße 14 vom 14.06.1950, S. 4. ↩
- SAT: A573, Einwohnermelderegister 1920–1975 Hauptregister. Kennkarte Friedel Buchner. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. ↩
- Beim Lied „Alle stehen wir verbunden“ handelt es sich um ein typisches NS-Liedgut, verfasst von dem NS-Liedertexter Georg Blumensaat. Vgl. Pausewang 2005, S. 129. Der Text schwört die Sänger:innen auf die „Volksgemeinschaft“ ein und fordert eine Verpflichtung „Gott, dem Führer und dem Blut“ gegenüber ein. Das Lied findet sich etwa im BDM-Liederbuch „Wir Mädel singen“ (Reichsjugendführung (Hg.) 1937, S. 98). ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum "Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Bericht Anna Schmid „Unser Elternsonntag am 18.10.1942“ vom 27.10.1942, S. 57f. ↩
- Schreiber 2009, S. 53. ↩
- Ebd. ↩
- Ebd., S. 54. ↩
- Erste Richtlinien wurden 1937 verabschiedet, die 1942 angepasst wurden. Vgl. Ebd., S. 49. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Schulzeugnis Maria Münch vom 28.12.1944. ↩
- Schreiber 2009, S. 51. ↩
- Berger 2019, S. 16. ↩
- Ebd., S. 142; Harten et al. 2006, S. 13. ↩
- Harvey 2009, S. 31;72. Vgl. SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Gemeinsamer Bericht „Die Warthelandfeier am 10.10.1943“, S. 91ff. ↩
- Harten et al. 2006, S. 14. ↩
- Privatarchiv Helmuth Sturmhoebel Hamburg: Abschrift des Briefs von Maria Münch an Friedel Buchner von 16.01.1940. ↩
- Friedel Buchner blieb zwar ein Leben lang unverheiratet, aber nicht kinderlos. Als 1930 ihre Berufskollegin und Freundin Margarethe Münch starb, nahm sie deren Tochter Maria als Pflegekind bei sich auf. Maria Münch besuchte später als Schülerin das NSV-Seminar in Tübingen und hat dem Tübinger Stadtarchiv einen umfangreichen Nachlass überliefert, der Einblick in den Alltag des NSV-Seminars, ihre Erfahrungen zum Kriegsende sowie die Gesinnung Friedel Buchners liefert. SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel. ↩
- Privatarchiv Helmuth Sturmhoebel Hamburg: Abschrift des Briefs von Maria Münch an Friedel Buchner von 16.01.1940, S. 1. ↩
- Maria Münch bezog sich dabei auf das Buch „Die nordische Seele. Eine Einführung in die Rassenseelenkunde“ von Ludwig Ferdinand Clauß (1923), welches die beiden offenbar schon vorher diskutiert hatten. Das Buch war auch in den 1930er und 1940er Jahren noch mit einigen Auflagen sehr populär. ↩
- Privatarchiv Helmuth Sturmhoebel Hamburg: Abschrift des Briefs von Maria Münch an Friedel Buchner von 16.01.1940, S. 6f. ↩
- Universitätsarchiv Tübingen (UAT): 578/2140, Schülerinnen des NSV-Seminars Tübingen, Österberg. Antrag Friedel Buchner an den Direktor der Universität vom 18.12.1942. ↩
- UAT: 578/2145, Buchner, Friedel: Belegliste Friedel Buchner im Winterhalbjahr 1942/43. ↩
- UAT: 117/1454, NS-Volkswohlfahrt (NSV) Seminar für soziale und sozialpädagogische Berufe, Belegliste Winterhalbjahr 1944/45: Belegliste Maria Häußler. ↩
- UAT: 578/2140, Schülerinnen des NSV-Seminars Tübingen, Österberg. Antrag Friedel Buchner an den Direktor der Universität vom 18.12.1942. ↩
- UAT: 578/2148, Fezer, Lotte: Belegliste Lotte Fezer im Winterhalbjahr 1943/44. ↩
- UAT: 578/2145, Buchner, Friedel: Belegliste Friedel Buchner im Winterhalbjahr 1943/44. ↩
- Junginger 2004, S. 20. ↩
- Hauer 1937; Hufnagel 2003, S. 8. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Bericht Elfriede Behr „Zweiter Lichtersonntag“ vom 15.12.1942, S. 69–70. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Bericht Elsbeth Seibold „Julklapp“ vom 15.12.1942. S. 71–72. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Bericht Hannelore King „Unser erster Verwundeten-Sonntag“ vom 04.11.1942. S. 31–38. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Bericht „Abschied vom Österberg. Ende April 1945“ von Maria Sturmhoebel, S. 2. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Bericht Gretel Pfahler „Unser Kameradschaftssonntag“ vom 27.10.1942. S. 27–30. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Bericht Hannelore King „Unser erster Verwundeten-Sonntag“ vom 04.11.1942. S. 31–38. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Bericht Gretel Pfahler „Unser Kameradschaftssonntag“ vom 27.10.1942. S. 27–30. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Bericht Elisabeth Engel „Unsere Verbindung mit unserem Metzer Schwesternseminar“ vom 27.10.1942. S. 1. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Bericht Elsbeth Seibold „Julklapp“ vom 15.12.1942. S. 71–72. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Bericht Anna Schmid „Unser Elternsonntag am 18.10.1942“ vom 27.10.1942, S. 57. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Bericht Lilo Sturmhoefel „Unsere Wanderungen“ vom 27.10.1942, S. 39–42. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Bericht Elsbeth Schweizer „Unsere Weihnachtsfeier“ vom 20.02.1943, S. 77. ↩
- Ebd., S. 78. ↩
- Hans Baumann gilt als der produktivste Lyriker und Liedertexter im Dienst der NS-Ideologie (Pausewang 2005, S. 133). Im Laufe seines Lebens hat er ein breites Œuvre geschaffen, das in den Liederbüchern verschiedener NS-Organisationen breit rezipiert wurde. Zu seinen zentralen Sujets zählen Lob der Arbeit und der bäuerlichen Kultur, Mutterschaft, Kriegs- und Schlachtenromantik, „Ostland“-Anspruch, Ehre des Heldentodes (ebd., S. 167f.), was auch mit den Erziehungsidealen der NSV-Kindergärten und Kindergärtnerinnenausbildung sehr kompatibel war. Die Schülerinnen des Tübinger NSV-Seminars sangen häufig Lieder von Hans Baumann. ↩
- Solche Berichte von NS-Funktionär:innen, die die besetzten Gebiete „im Osten“ besucht hatten, wurden von der NS-Propaganda gefördert. Sie sollten bei den Leser:innen ohne entsprechende Reiseerfahrung „Heimatgefühle“ für „den Osten“ wecken, um die Rekrutierung weiteren Personals zu erleichtern. Vgl. Harvey 2009, S. 158 ff. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Gemeinsamer Bericht „Die Warthelandfeier am 10.10.1943“, S. 91. ↩
- Harvey 2009, S. 69. ↩
- Madajczyk 1991, S. VII; Leniger 2006, S. 28. ↩
- Hrabar et al. 1981. ↩
- Wichert 2018, S. 89. ↩
- Harvey 2009, S. 198ff; 351. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“. Gemeinsamer Bericht „Die Warthelandfeier am 10.10.1943“, S. 105. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Bericht „Abschied vom Österberg. Ende April 1945“ vom Maria Sturmhoebel, S. 2. ↩
- Ebd., S. 3. ↩
- Ebd. ↩
- Ebd. ↩
- Privatarchiv Helmuth Sturmhoebel Hamburg: Gesprächsnotiz Helmuth Sturmhoebel „Ich frage Maria im April 2013, wie sie den 8. Mai 1945 erlebt hat“ vom April 2013, S. 1. ↩
- Ebd. ↩
- StAS: Wü 13 T 2 Nr. 2118/098, Spruchkammerakten Friedel Buchner: Entlassungszertifikat der französischen Militärregierung für Friedel Buchner vom 15.11.1945. ↩
- StAS: Wü 13 T 2 Nr. 1929/003, Spruchkammerakten Dr. Emilie Kleindienst. ↩
- Telefonisches Zeitzeugengespräch Sandra Lang mit Helmuth Sturmhoebel am 25.04.2025. ↩
- Ebd. ↩
- SAT: A606/3257, Sterbebuch 1983 Nr. 1-570: Eintrag Nr. 542 Friedel Buchner vom 21.06.1983. ↩
- StAS: Wü 13 T 2 Nr. 2530/108, Spruchkammerakten Friedel Buchner: Beschluss des Staatskommissariats für Politische Säuberung gegen Friedel Buchner vom 16.02.1951. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Bericht „Abschied vom Österberg. Ende April 1945“ von Maria Sturmhoebel, S. 2. ↩
- SAT: E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Brief Maria Sturmhoebel an die ehemaligen Seminarschülerinnen vom 19.02.2009. ↩
- Privatarchiv Helmuth Sturmhoebel Hamburg: Brief von Maria Sturmhoebel an die ehemaligen Seminarschülerinnen vom März 2004. ↩
Publikationen
Amthor, Ralph Christian, „"…bester Kenner, Besterfahrener des Berufes" – Zur historischen Verwandtschaft von Erziehern und Sozialpädagogen“, in: Das Kita-Handbuch, Freiburg im Breisgau 17.08.2015, https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/geschichte-der-kinderbetreuung/weitere-historische-beitraege/zur-historischen-verwandtschaft-von-erziehern-und-sozialpaedagogen/, (letzter Zugriff 06.02.2026).
Berger, Manfred, "Gelobt sei alles, was hart macht!" Das Kindergartenwesen im nationalsozialistischen Deutschland aufgezeigt am Beispiel der Fachzeitschrift "Kindergarten", Saarbrücken 2015.
Berger, Manfred, Der Kindergarten im Nationalsozialismus. "Drum beten wir deutschen Kinder: Den Führer erhalte uns Gott": ein Beitrag zur Geschichte der öffentlichen Kleinkinder-/Kindergartenpädagogik in den Jahren 1933 bis 1945, Göttingen 2019.
Berger, Manfred, Geschichte des Kindergartens. Von den ersten vorschulischen Einrichtungen des 18. Jahrhunderts bis zur Kindertagesstätte im 21. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2016.
Buchner, Friedel, „Aus der Arbeit der Hamburger Schulkindergrärten. Teil III Von Jugendleiterin Frieden Buchner, Hamburg", in: Der Kindergarten 76 (3), 1935, S. 56–57. Online Verfügbar unter: https://www.froebelseminar.de/fileadmin/user_upload/Buchkatalog/Kindergarten_76.Jahrgang__Nr.3__03.1935_.pdf, (letzter Zugriff: 06.02.2026).
Clauß, Ludwig Ferdinand, Die nordische Seele. Eine Einführung in die Rassenseelenkunde, Halle an der Saale 1923.
Harten, Hans-Christian / Neirich, Uwe / Schwerendt, Matthias, Rassenhygiene als Erziehungsideologie des Dritten Reichs. Bio-bibliographisches Handbuch, Berlin 2006.
Harvey, Elizabeth, "Der Osten braucht Dich!". Frauen und nationalsozialistische Germanisierungspolitik, Hamburg 2009.
Hauer, Jakob Wilhelm, Glaubensgeschichte der Indogermanen. Das religiöse Abbild der Indogermanen und die Grundtypen der indo-arischen Religion, Stuttgart 1937.
Hrabar, Roman / Tokarz, Zofia / Wilczur, Jacek E, Kinder im Krieg – Krieg gegen Kinder. Die Geschichte der polnischen Kinder 1939–1945, Reinbek 1981.
Hufnagel, Ulrich, „Religionswissenschaft und indische Religionsgeschichte in den Arbeiten Jakob Wilhelm Hauers: Wissenschaftskonzept und politische Orientierung“, in: Brückner, Heidrun / Butzenberger, Klaus / Malinar, Angelika / Zeller, Gabriele (Hg.), Indienforschung im Zeitenwandel. Analysen und Dokumente zur Indologie und Religionswissenschaft in Tübingen, Tübingen 2003, S. 145–174.
Junginger, Horst, „Die Tübinger Schule der "völkischen Religionswissenschaft" in den dreißiger und vierziger Jahren“, in: Finkenberger, Martin / Junginger, Horst (Hg.), Im Dienste der Lügen. Herbert Grabert (1901–1978) und seine Verlage, Aschaffenburg 2004, S. 10–36.
Konrad, Franz-Michael, Der Kindergarten. Seine Geschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart, Freiburg im Breisgau 2004.
Leniger, Markus, Nationalsozialistische „Volkstumsarbeit“ und Umsiedlungspolitik 1933–1945. Von der Minderheitenbetreuung zur Siedlerauslese, Berlin 2006.
Madajczyk, Czesław, Vom Generalplan Ost zum Generalsiedlungsplan, Berlin 1994.
Pausewang, Gudrun, Die Kinder- und Jugendliteratur des Nationalsozialismus als Instrument ideologischer Beeinflussung. Liedertexte, Erzählungen und Romane, Schulbücher, Zeitschriften, Bühnenwerke, Frankfurt am Main 2005.
Reichsjugendführung (Hg.), Wir Mädel singen. Liederbuch des Bundes Deutscher Mädel, Wolfenbüttel und Berlin 1937.
Schreiber, Catherina, Kindergartenerziehung im Nationalsozialismus. Das Beispiel der Saar. Magisterarbeit. Universität des Saarlandes, Saarbrücken 2009, https://www.researchgate.net/publication/317006184_Kindergartenerziehung_im_Nationalsozialismus_Das_Beispiel_der_Saar (letzter Zugriff 06.02.2026).
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Ukrow, Rolf, Nobelpreisträger Eduard Buchner (1860–1917). Ein Leben für die Chemie der Gärungen und – fast vergessen – für die organische Chemie. Dissertation. Technische Universität Berlin, Berlin 2004, https://depositonce.tu-berlin.de/items/d3757b7d-e8a8-4acd-a1f9-84ab7232a2df (letzter Zugriff 06.02.2026).
Wichert, Wojciech: „„Exerzierplatz des Nationalsozialismus“ – der Reichsgau Wartheland in den Jahren 1939–1945“, in: Studia nad Autorytaryzmem i Totalitaryzmem 40 (2), 2018, S. 79–102.
Archivtexte
Hauptstaatsarchiv Stuttgart (HSTAS): EA 3/150 Bü 276, Dossier Rudolf Buchner.
Privatarchiv Helmuth Sturmhoebel Hamburg: Abschrift des Briefs von Maria Münch an Friedel Buchner von 16.01.1940.
Privatarchiv Helmuth Sturmhoebel Hamburg: Brief von Maria Sturmhoebel an die ehemaligen Seminarschülerinnen vom März 2004.
Privatarchiv Helmuth Sturmhoebel Hamburg: Gesprächsnotiz Helmuth Sturmhoebel §Ich frage Maria im April 2013, wie sie den 8. Mai 1945 erlebt hat“ vom April 2013.
Privatarchiv Helmuth Sturmhoebel Hamburg: Undatierte Rechercheaufzeichnungen Helmuth Sturmhoebel „Friedel Buchner (17.07.1901–20.06.1983)“.
Staatsarchiv Sigmaringen (StAS): Wü 13 T 2 Nr. 1929/003, Spruchkammerakten Dr. Emilie Kleindienst.
Staatsarchiv Sigmaringen (StAS): Wü 13 T 2 Nr. 2118/098, Spruchkammerakten Friedel Buchner: Entlassungszertifikat der französischen Militärregierung für Friedel Buchner vom 15.11.1945.
Staatsarchiv Sigmaringen (StAS): Wü 13 T 2 Nr. 2118/098, Spruchkammerakten Friedel Buchner: Fragebogen Friedel Buchner vom 10.02.1951, S. 1.
Staatsarchiv Sigmaringen (StAS): Wü 13 T 2 Nr. 2530/108, Spruchkammerakten Friedel Buchner: Beschluss des Staatskommissariats für Politische Säuberung gegen Friedel Buchner vom 16.02.1951. Online verfügbar unter https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/DOKUMENT/labw_findmittel_05/labw-6-502937/Buchner%20Friedel (letzter Zugriff 06.02.2026).
Stadtarchiv Tübingen (SAT): A150/1221, Stuttgardia-Haus; Österbergstraße 14: Stadtpflege Tübingen: Aufstellung über den Ertrag und Aufwendungen von Gebäude Österbergstraße 14 vom 14.06.1950, S. 4.
Stadtarchiv Tübingen (SAT): A573, Einwohnermelderegister 1920–1975-Hauptregister. Kennkarte Friedel Buchner.
Stadtarchiv Tübingen (SAT): A606/3257, Sterbebuch 1983 Nr. 1-570: Eintrag Nr. 542 Friedel Buchner vom 21.06.1983.
Stadtarchiv Tübingen (SAT): E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Bericht „Abschied vom Österberg. Ende April 1945“ von Maria Sturmhoebel.
Stadtarchiv Tübingen (SAT): E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Brief Maria Sturmhoebel an die ehemaligen Seminarschülerinnen vom 19.02.2009.
Stadtarchiv Tübingen (SAT): E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Sammelalbum „Berichte aus den Jahren 1942–1944“.
Stadtarchiv Tübingen (SAT): E 10/N 220, Nachlass Maria Sturmhoebel: Schulzeugnis Maria Münch vom 28.12.1944.
Telefonisches Zeitzeugengespräch Sandra Lang mit Helmuth Sturmhoebel am 25.04.2025.
Universitätsarchiv Tübingen (UAT): 117/1454. NS-Volkswohlfahrt (NSV); Seminar für soziale und sozialpädagogische Berufe; Belegliste Winterhalbjahr 1944/45: Belegliste Maria Häußler.
Universitätsarchiv Tübingen (UAT): 578/2140, Schülerinnen des NSV-Seminars Tübingen, Österberg. Antrag Friedel Buchner an den Direktor der Universität vom 18.12.1942.
Universitätsarchiv Tübingen (UAT): 578/2145, Buchner, Friedel: Belegliste Friedel Buchner im Winterhalbjahr 1942/43.
Universitätsarchiv Tübingen (UAT): 578/2145, Buchner, Friedel: Belegliste Friedel Buchner im Winterhalbjahr 1943/44.
Universitätsarchiv Tübingen (UAT): 578/2148, Fezer, Lotte: Belegliste Lotte Fezer im Winterhalbjahr 1943/44.